Fräulein Tinas Gespür für Ostseegold

Im Winter spülen die Wellen Bernstein an den Strand von Binz

Wenn Stürme in der kalten Jahreszeit die Ostsee bis auf den Grund aufgewühlt haben, schnappt sich Tina Pellegrin ihren Kescher und läuft zum Binzer Strand. Dann ist Bernsteinwetter! „Es ist wie ein Goldrausch“, sagt sie. „Du vergisst, dass du müde bist und dass du Hunger hast. Du vergisst, wie kalt dir eigentlich ist. Alles, was zählt, ist dieses Blinken zwischen Steinen und Tang.“

Tagelang hat ein heulender Nordoststurm Wellenberge in die Bucht von Binz hinein gedrückt. Sie überspülten den Sandstrand und brachten Bernsteinklumpen aus der Weite des Meeres mit sich. Solche Stürme gibt es von November bis März am häufigsten – die ideale Zeit, um am Strand das kostbare versteinerte Harz zu suchen. Nun, morgens um fünf, ist der Wind abgeebbt, das Meer hat sich beruhigt – und Tina Pellegrin geht auf die Jagd.

Trotz ihrer zierlichen 1,55 Meter Körpergröße ist sie eine von wenigen Frauen, die sich der anstrengenden Schatzsuche nach dem Gold der Ostsee verschrieben haben. Denn um richtig brauchbare Brocken zu finden, muss sie hüfttief rein ins Wasser. „Tiefer als auf Brusthöhe gehen wir auf keinen Fall rein“, erzählt Tina Pellegrin. In voller Gummimontur tastet sie mit den Füßen nach Knäueln von Holz, Muscheln und Tang, in denen sich das Ostseegold gerne verfängt. Die Wathose reicht ihr bis unter die Arme, ein Seil sichert sie notfalls gegen starke Strömung, die sie ins Meer hinausziehen will. Mit geradem Oberkörper beugt sie sich vor und zieht den Kescher über den Meeresgrund. Mit seinem Volumen von rund vierzig Litern eine bleischwere Last für die 27-Jährige.

Ihr Gespür für Bernstein liegt in der Familie. Mit der aus Italien stammenden Uroma streifte schon Tina Pellegrins Mutter als Kind über die Greifswalder Oie, den winzigen Landflecken im Meer südöstlich von Rügen. Die heute 96-jährige lebte damals als letzte Leuchtturmwärterin auf der Insel. „Mit ihr begann das Bernsteinfieber in unserer Familie. Als ich gerade mal krabbeln konnte, habe ich schon im Seetang nach den hübschen goldgelben Steinchen geguckt“, sagt Tina Pellegrin. Ihre Mutter streute sogar gezielt kleine Stücke vor der Tochter aus, so wurde eine versierte Schatzsucherin aus ihr.

Dass Tina Pellegrin das Bernsteinsammeln zu ihrem Beruf gemacht hat, liegt jedoch eher an ihrem Stiefvater Finbarr Corrigan, dem „Bernsteinfischer von Rügen“. Um ihm in seinem Bernsteinladen zu helfen, hat sie eine Ausbildung als Einzelhandelskauffrau gemacht – und sich jede Menge Fachwissen über das fossile Harz angelesen. Sie kann seine Entstehung genauso mühelos erklären wie alle zweihundert Farbnuancen aufzählen. „Selten sind blaue Exemplare und die grünen Moosbernsteine. Und natürlich die mit den Insekteneinschlüssen“, sagt Tina Pellegrin.

Heute gehen die Bernsteinfischerin, ihre Mutter und Finbarr Corrigan meist zu dritt an den Strand. Unermüdlich schaufeln Tina Pellegrin und ihr Stiefvater den Inhalt ihrer Kescher auf den Strand, eine Ladung nach der anderen. Sie müssen die Zeit, in der das Meer aufgewühlt ist, nutzen. Sortieren können sie ihre Ausbeute erst später. Nach einem anstrengenden Tag im eiskalten Wasser haben sie einen halben Eimer Bernstein aus der Ostsee gefischt. Fast alles sind kleinere Stücke, die sie in ihrem Laden in der Paulstraße nahe der Binzer Promenade verkaufen – zu Schmuck, Skulpturen und Deko verarbeitet.

Gern sichtet Tina Pellegrin in der zum Laden gehörenden Werkstatt auch die Funde von Inselgästen. Sind die Steine groß genug, schleift und poliert sie sie, bohrt ein Loch hinein und schon ist ein Anhänger entstanden – ein einzigartiges Souvenir an einen Urlaub in Binz. Oder sie erklärt den stolzen Bernsteinsammlern, wie sie ihre Fundstücke Zuhause selbst bearbeiten. Einen Wunsch schlägt sie Urlaubern dagegen immer wieder ab: sie nimmt keine Begleiter mit. Wegen der gefährlichen Strömung und der schlechten Planbarkeit ihrer Touren. Und weil echte Schatzsucher eben lieber allein unterwegs sind.

Das ideale Bernsteinwetter:

Ist das Wasser in den Sommermonaten warm, stehen die Aussichten schlecht, auf Bernstein zu stoßen. Denn nur, wenn das salzige Meerwasser kalt ist und dadurch eine große Dichte besitzt, treibt es den Bernstein nach oben. Die besten Chancen, Bernstein zu finden, haben Sammler deshalb nach Stürmen mit auflandigen Winden, vor allem im Herbst und Winter. Dann heißt es früh am Strand zu sein, denn sobald es heftig geweht hat, sind dort meist auch andere Bernsteinsucher unterwegs.

 

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Bernsteinfischerin: Wenn Stürme die Ostsee bis auf den Grund aufgewühlt haben, geht Tina Pellegrin am Strand auf Bernsteinsuche. Foto: Kurverwaltung Binz/Mirko Boy

 

Bernsteinfischerin: Tina Pellegrin ist eine der wenigen Frauen, die sich diesem anstrengenden Beruf verschrieben haben. Foto: Kurverwaltung Binz/Mirko Boy
Bernsteinfischerin: Mit einem Volumen von rund vierzig Litern ist der Kescher eine bleischwere Last für Tina Pellegrin. Foto: Kurverwaltung Binz/Mirko Boy

 

Bernsteinfischerin: Dass Tina Pellegrin das Bernsteinsammeln zu ihrem Beruf gemacht hat, liegt hauptsächlich an Finbarr Corrigan. Foto: Kurverwaltung Binz/Mirko Boy
Bernsteinfischerin: Unermüdlich schaufeln Tina Pellegrin und ihr Stiefvater Finbarr Corrigan den Inhalt ihrer Kescher auf den Strand. Foto: Kurverwaltung Binz/Mirko Boy

 

Bernsteinfischerin: Tina Pellegrin kann die Entstehung von Bernstein mühelos erklären und alle Farbnuancen aufzählen. Foto: Kurverwaltung Binz/Mirko Boy

 

2017-12-14T18:19:21+00:00