Wattführungen für Paare und Singles an der Nordseeküste

März 2019 (gr) Die Welt der Tiere im Nationalpark Wattenmeer ist voller spannender Phänomene, und einige davon sind wirklich skurril. Zum Beispiel die Fortpflanzung der Pantoffelschnecke: Die wechselt bei Bedarf ihr Geschlecht, für andere Schnecken und Muscheln ist Jungfernzeugung üblich. Im Mai können Paare und Singles an der niedersächsischen Nordseeküste mehr über das Liebesleben der Wattbewohner erfahren – und mit etwas Glück auch direkt beobachten, wie bei den Tieren die Frühlingsgefühle erwachen.

Der Mai steht für Fruchtbarkeit und Liebe, auch im Wattenmeer. Deshalb haben Wattführer an der niedersächsischen Nordseeküste diesen Monat für ihre Führungen über die Fortpflanzungsstrategien und das Liebesleben der Tiere ausgewählt.

Matthias Schulz ist bei Ebbe mit seinen Gästen auf dem Meeresboden vor der Halbinsel Butjadingen unterwegs. „Liebesrausch im Weltnaturerbe“ nennt er seine Führung, bei der es direkt zur Sache geht. „Alles zum Thema wird angesprochen und mit etwas Glück auch beobachtet“, verspricht er. Beispielsweise die Praktiken der Seepocken, die genau genommen kleine Krebse sind. Bereits als Larve müssen sie die Entscheidung treffen, wo sie sich ein Leben lang niederlassen. In den Gezeitenzonen können das Pfähle und Buhnen sein, wo schon Artgenossen wohnen. Und weil sich die Seepocken danach nicht mehr vom Fleck rühren können, erreicht der Penis zur Fortpflanzung immerhin doppelte Körperlänge. Damit die Vermehrung auf jeden Fall klappt, sind Seepocken Zwitter.

Unter der Devise „Frühlingsgefühle im Wattenmeer“ bietet Wattführerin Jessica Supthut küstennahe Rundwanderungen für Paare und Singles an. Los geht´s in Neßmersiel, dem kleinsten Badeort an der ostfriesischen Nordseeküste, von dort über die Salzwiesen und bis zu einem wassergefüllten Priel im Watt. See- und Meerringelwürmer legen im Frühjahr gut sichtbare Eiballen auf der Wattoberfläche ab. Die Wattführerin verrät augenzwinkernd die intimsten Geheimnisse der Meerringelwürmer, auch wenn die so romantisch gar nicht sind: Männchen wie Weibchen überantworten Eier und Spermien dem Wasser und paaren sich auf Distanz. „Andere Ringelwürmer haben da schon mehr Spaß: Es gibt zwittrige und geschlechtliche Praktiken, je nach Lebensweise“, so Supthut. Wer ein Fernglas dabei hat, kann auf einer nahegelegenen Salzwiese die unterschiedlichsten Vogelarten bei der Brut beobachten und dabei mehr über ihre Liebesgeschichten erfahren. So sind Austernfischer dem Brutplatz treu und meist monogam. Vögel, die sich dennoch trennen (meist die Weibchen), werden quasi belohnt: Sie haben größere Chancen auf einen besseren Nistplatz und bekommen sogar bis zu zwanzig Prozent mehr Nachkommen.

Wattführer Joke Pouliart vom Wattwanderzentrum Ostfriesland erzählt auf seiner Tour an verschiedenen Standorten ebenfalls ganz unverblümt von den Sexpraktiken der Watt-Tiere. „Watt ohne Tabus – über die Vielfalt von Lust und Liebe im Weltnaturerbe“ nennt er seine Führung. Muscheln und Schnecken sind nicht nur die Nahrungsgrundlage für Millionen von Vögeln im Nationalpark, sie bieten auch reichlich Stoff. „Mit Jungfernzeugung, Zwittrigkeit oder sogar Geschlechtsumwandlung gibt es ausgerechnet bei den unscheinbaren Schnecken fast nichts, was es nicht gibt“, erzählt Joke Pouliart. So brachte ein Vaterschaftstest bei Pantoffelschnecken das erstaunliche Ergebnis, dass ein Teil der Larven zwei Mütter hatte. Grund: Nach der Befruchtung der weiblichen Tiere hatten sich die Vaterschnecken ebenfalls in Weibchen verwandelt.

Dauer der Wattführungen 90 Minuten, maximal 15 Personen ab 16 Jahren. Termine und weitere Angebote unter:
www.die-nordsee.de/romantik

Übernachten für zwei: Paare, die sich vom Liebesrausch im Wattenmeer haben anstecken lassen, buchen an der niedersächsischen Nordseeküste eine Auszeit inklusive romantischer Übernachtung: Ein Zirkuswagen ist perfekt für Romantiker. Im Dornumerland stehen sieben so genannte Pipowagen mit Blick über die Salzwiesen und das Wattenmeer auf dem Campingplatz. Oder doch lieber ein Schäferwagen? In mehreren Küstenorten können Paare einen Nordseekarren in auffälligem Blau und Weiß mieten. Wenn es wärmer wird, ist Übernachten unter dem Sternenhimmel in Schlafstrandkörben möglich, jeweils zwei Schlafplätze stehen für ein Date mit Meeresrauschen bereit. In Otterndorf, in Dangast, im Wangerland – sowie von Himmelfahrt bis Mitte September auch in Bensersiel.

Weitere Informationen
Die Nordsee GmbH
Olympiastraße 1
26419 Schortens
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Die Nordsee GmbH
Die touristische Dachmarketingorganisation der niedersächsischen Nordsee, Die Nordsee GmbH, ist ein Zusammenschluss von neun Küstenorten ( Butjadingen, Dangast, Dornum, Esens-Bensersiel, Krummhörn-Greetsiel, Wurster Nordseeküste, Norden-Norddeich, Otterndorf, Wangerland) plus den Städten Bremerhaven und Wilhelmshaven. Die Urlaubsregion mit ihrer nahezu ursprünglichen Natur an den Stränden und dem maritimen Flair in den Küstenorten zählt zu den beliebtesten in Deutschland. Das niedersächsische Wattenmeer ist seit 1986 Nationalpark und umfasst die Küste von der Meeresbucht Dollart an der Grenze zu den Niederlanden im Westen und Otterndorf/Cuxhaven bis zur Außenelbe-Fahrrinne im Osten.

Frühlingsgefühle: Bei Plattmuscheln findet die Befruchtung im Mai im freien Wasser statt, bereits nach wenigen Wochen wird aus der Larve eine kleine Muschel. Foto: Beate Ulich, Die Nordsee GmbH

Frühlingsgefühle: Joke Pouliart erzählt bei den Wattführungen für Paare und Singles von den Fortpflanzungspraktiken der Watt-Tiere. Foto: Andrea Ullius_ullala.ch

Frühlingsgefühle: In den Salzwiesen können Urlauber im Mai vor allem die unterschiedlichsten Vogelarten bei der Brut beobachten. Foto: Thomas Hellmannn, Tourismus-Service Butjadingen
Frühlingsgefühle: Im Wattenmeer leben etwa 10.000 mit bloßem Auge sichtbare Tierarten, wie diese Schwimmkrabbe. Foto: Beate Ulich, Die Nordsee GmbH

Frühlingsgefühle: Der Seehund ist das bekannteste Säugetier im Wattenmeer. Von Mai bis September sammeln sich die Seehunde auf Sandbänken, um Junge zu gebären. Foto: Janina Beck, Die Nordsee GmbH

Frühlingsgefühle: Ab Mai blühen beispielsweise Strand-Grasnelke und Gänsefingerkraut, der Strandflieder bildet erst etwas später violette Blütenteppiche. Foto: Dirk Topel, Die Nordsee GmbH